für eine starke Region

„Wir müssen die Region gemeinsam denken“

Kurt Sidler kennt LuzernPlus aus zwei Perspektiven: Als langjähriger Geschäftsführer prägte er den Verband über viele Jahre hinweg, heute unterstützt er die Geschäftsführung ad interim in einer Phase des Übergangs. Im Gespräch spricht er über veränderte Rahmenbedingungen, den Einfluss des Bevölkerungswachstums und wo die Rolle von LuzernPlus heute überall gefragt ist.

Kurt Sidler und ein Teil des LuzernPlus-Teams am Gebietsmanagements-Apéro 2025 (v.l.n.r.: Lisa Schenk, Mario Trlaja, Remo Keiser, Kurt Sidler, Claudio Andenmatten, Kai Brun, Florian Estermann, Xenia Hodel)

Herr Sidler, wie fühlt es sich an, nach acht Jahren wieder bei LuzernPlus tätig zu sein?

Kurt Sidler: Es hat sich sehr gut angefühlt. Ich war schnell wieder in den Themen drin und habe mit Freude gesehen, wie sich vieles weiterentwickelt hat – insbesondere die Gebietsmanagements und die Zusammenarbeit der K5-Gemeinden, die wir damals angestossen haben.

Man spürt, dass aus vielen «Samen», die wir vor Jahren gesetzt haben, starke Pflanzen geworden sind. Zahlreiche Projekte wurden vertieft und weitergeführt. Gleichzeitig habe ich ein sehr motiviertes Team angetroffen, das mit grossem Engagement arbeitet. Das hat mich beeindruckt.

Sie sind im Herbst aufgrund einer Umbruchphase in beratender Funktion zurückgekehrt, als mit Armin Camenzind ihr Nachfolger LuzernPlus verlassen hat.

Die Phase des Führungswechsels brachte verständlicherweise gewisse Unsicherheiten mit sich. Viele Mitarbeitende waren noch nicht lange bei LuzernPlus tätig. Gleichzeitig habe ich das Team aber sehr motiviert erlebt es war auch bereit Verantwortung zu übernehmen.

Was mich insgesamt besonders überrascht hat: Der Verband ist in den acht Jahren personell gewachsen. Bedingt dadurch, dass früher viele Aufträge extern vergeben wurden - und diese heute intern kompetent erledigt werden. Das zeigt eine klare organisatorische Weiterentwicklung.

Was hat sich denn konkret im Vergleich zu Ihrer Zeit als Geschäftsführer am stärksten verändert?

Eine grundlegende Neuausrichtung hat es nicht gegeben – aber die Rahmenbedingungen sind anspruchsvoller geworden. Dass die Region stetig wächst hat auch die Bedeutung der Zusammenarbeit nochmals deutlich erhöht. Gerade in der Agglomeration ist nochmals ein stärkeres, gemeinsames Verständnis entstanden, als Einheit zu denken.

Die Gebietsmanagements sind heute etabliert. Während dort früher planerische Grundlagenarbeit stärker im Fokus stand, geht es heute vermehrt um die Umsetzung und konkrete Entwicklungsschritte.

Auch thematisch hat sich der Verband breiter verankert – etwa in den Bereichen Kultur, Sport oder auch Energie. Projekte wie der Ausbau der Fernwärme im Rontal oder die vertiefte regionale Zusammenarbeit zeigen, wie stark sich LuzernPlus in unterschiedlichen Feldern engagiert.

Sie sprechen die wachsende Region an: Das Bevölkerungswachstum ist Fokusthema dieses Geschäftsberichts. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus aus Ihrer Sicht für unsere Region?

Das Wachstum heute fällt stärker aus, als wir es damals angenommen haben. Wenn ich etwa an LuzernSüd denke: Was damals schon fast visionär wirkte, ist heute Realität geworden. Auch im Sportbereich zeigt sich – mit der inzwischen realisierten Pilatus Arena – wie langfristige Planung mittlerweile Früchte trägt.

Künftig geht es darum, Infrastrukturfragen frühzeitig anzugehen – etwa beim Bedarf an zusätzlichen Sport- oder Freizeitanlagen. Raum ist knapp, die Ansprüche bleiben hoch.

Wichtig ist, die Entwicklungen sorgfältig zu steuern und die Bevölkerung einzubeziehen. Wachstum darf nicht über das Ziel hinausschiessen. Gleichzeitig müssen wir über die Agglomeration hinausdenken und auch Gemeinden ausserhalb des engeren Siedlungsraums einbeziehen.

Der öffentliche Verkehr wird dabei eine Schlüsselrolle spielen. Hier sind Fortschritte erzielt worden, aber es braucht weitere Schritte – etwa bei Busspuren oder in der Abstimmung zwischen Kanton und Gemeinden. Der Durchgangsbahnhof Luzern allein wird nicht alle Herausforderungen lösen. Innenverdichtung ist wichtig, doch ob sie ausreicht, um das prognostizierte Wachstum aufzunehmen, bleibt offen.

Kann man aus der Wachstumsprognose auch konkrete Auswirkungen auf die Verbandsarbeit von LuzernPlus ableiten?

Die Kernidee des Verbands – Zusammenarbeit zu fördern – ist heute wichtiger denn je. Kleinräumige Planung reicht nicht mehr aus. Entwicklungen müssen regional abgestimmt werden.

LuzernPlus wird dadurch noch stärker zur Plattform, auf der gemeinsam gedacht und geplant wird. Nur so lassen sich komplexe Fragestellungen bewältigen.


„Das Bevölkerungswachstum verändert nicht nur unsere Region – es verändert auch die Zusammenarbeit untereinander.“

Kurt Sidler, ehemaliger Geschäftsführer LuzernPlus


Mehrheiten für gemeinsame Lösungen zu gewinnen, bleibt eine grosse Herausforderung. Gerade deshalb ist es entscheidend, regionale Identität und kulturelle Eigenheiten zu respektieren.

Zusammenarbeit bedeutet schlussendlich nicht, dass alle alles gleich machen sollen. Eine lebendige Fasnacht soll etwa in Emmen oder Ebikon ebenso selbstverständlich sein wie in Luzern. Regionale Kooperation muss diese Vielfalt ermöglichen und nicht auflösen.

Besonders freut mich deshalb auch, dass die Bereiche Sport und Kultur an Bedeutung gewonnen haben und bei LuzernPlus vertiefter bearbeitet werden. Diese Entwicklung zeigt, dass sich die regionale Zusammenarbeit ebenfalls weiterentwickelt hat und heute weit über klassische Raum- und Verkehrsfragen hinausgehen kann.

Wie erleben Sie die aktuelle Übergangsphase – und weshalb ist der Organisationsentwicklungsprozess gerade jetzt so zentral?

Die junge Führung und das Team haben die Übergangszeit mit viel Motivation, fachlicher Präzision und grosser Aufmerksamkeit für Details gemeistert. In einer Phase der Unsicherheit Projekte stabil weiterzuführen, ist keine Selbstverständlichkeit. Politische Erfahrung bleibt wichtig – doch Kompetenz, Einsatz und Teamgeist haben in diesem Jahr vieles möglich gemacht. Man spürt eine echte Aufbruchstimmung.

Mit der Wahl des neuen Geschäftsführers Samuel Graf (per 1. April 2026) sind nun wichtige Weichen gestellt. Der Organisationsentwicklungsprozess sorgt dafür, dass Wissen gesichert, Rollen geklärt und Strukturen weiterentwickelt werden. Gerade jetzt geht es darum, Stabilität zu schaffen und Kontinuität zu sichern – das ist für den Verband von grossem Wert.

Welche Chancen ergeben sich mit der neuen Führung für LuzernPlus?

Die Übergangsphase hat bereits ermöglicht, Abläufe zu schärfen und Verantwortlichkeiten zu klären. Darauf kann nun aufgebaut werden. Mit einer klaren strategischen Ausrichtung und einem gefestigten Team besteht die Chance, die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und die Position von LuzernPlus als verlässliche regionale Plattform zu stärken.

Zu guter Letzt: Was braucht LuzernPlus, um auch in der kommenden Strategieperiode 2026–2029 wirksam zu bleiben?

Ein starkes, stabiles Team und eine konsequente Dienstleistungsorientierung gegenüber den Gemeinden. Entscheidend ist, zuzuhören – von der kleinsten Gemeinde bis zur Stadt Luzern – und Bedürfnisse frühzeitig aufzunehmen.

Wo Zusammenarbeit noch nicht selbstverständlich ist, muss sie aktiv gefördert werden. LuzernPlus soll Räume schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und tragfähige Lösungen entstehen. Eine enge Zusammenarbeit – nach aussen mit den Gemeinden und nach innen zwischen Vorstand und Geschäftsstelle – bleibt dabei der Schlüssel zum Erfolg.


Über Kurt Sidler:

Kurt Sidler prägte LuzernPlus während seiner Zeit als Geschäftsführer von 2010 bis 2017 entscheidend. Er baute den Gemeindeverband als zentrale Plattform für die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit der damals 25 Verbandsgemeinden in der Agglomeration Luzern auf und positionierte ihn strategisch in den Bereichen Raum- und Siedlungsentwicklung, Mobilität und regionale Koordination. Unter seiner Leitung entstanden Initiativen wie die Gebietsmanagements und Konzepte zur gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit. Per Ende 2017 trat er als Geschäftsführer zurück.

Heute bringt Kurt Sidler seine langjährige Erfahrung erneut bei LuzernPlus ein und wurde für die Übergangszeit mandatiert. Als ausgewiesener Spezialist für Organisationsentwicklung und Change-Prozesse unterstützt er den Verband punktuell und sorgt für Kontinuität, Stabilität und institutionelles Wissen, während die Organisation weiterentwickelt- und die Geschäftsführung neu aufgestellt wird.