Interview mit Kurt Sidler
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Kurt Sidler kennt LuzernPlus aus zwei Perspektiven: Als langjähriger Geschäftsführer prägte er den Verband über viele Jahre hinweg, heute unterstützt er die Geschäftsführung ad interim in einer Phase des Übergangs. Im Gespräch spricht er über veränderte Rahmenbedingungen, den Einfluss des Bevölkerungswachstums und darüber, weshalb LuzernPlus heute anders funktioniert als früher.
Herr Sidler, Sie waren bis vor acht Jahren Geschäftsführer von LuzernPlus und sind nun zurückgekehrt. Was ist Ihnen bei Ihrer Rückkehr als Erstes aufgefallen?
Kurt Sidler: Die Dynamik hat deutlich zugenommen. Themen sind komplexer geworden, die Taktzahl ist höher und die Erwartungen an LuzernPlus sind heute klarer formuliert. Der Gemeindeverband wird stärker als strategischer Partner wahrgenommen, nicht mehr nur als Koordinationsstelle.
Worin zeigt sich dieser Wandel besonders deutlich?
Kurt Sidler: Früher standen einzelne Projekte oder Fragestellungen stärker im Vordergrund. Heute geht es viel häufiger um langfristige Entwicklungsfragen – insbesondere in den Bereichen Raum, Mobilität und Siedlungsentwicklung. Die Gemeinden erwarten zu Recht, dass LuzernPlus vorausschauend denkt, Zusammenhänge erkennt und sie bei komplexen Entscheidungsprozessen unterstützt.
Hat sich dadurch auch das Selbstverständnis des Gemeindeverbands verändert?
Kurt Sidler: Ja, eindeutig. LuzernPlus versteht sich heute stärker als Mitgestalter. Der Verband bringt Fachwissen ein, moderiert Prozesse und hilft, gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Diese Rolle ist anspruchsvoller geworden, aber auch wichtiger – gerade in einer wachsenden Agglomeration.
Welche Rolle spielt das starke Bevölkerungswachstum in der Region?
Kurt Sidler: Eine sehr zentrale. Bevölkerungswachstum ist nicht nur eine statistische Grösse, sondern ein massiver Treiber für Veränderung. Mehr Menschen bedeuten mehr Nutzungsansprüche, mehr Zielkonflikte und mehr Abstimmungsbedarf. Viele Herausforderungen lassen sich heute nicht mehr auf Gemeindeebene allein lösen. Genau hier gewinnt LuzernPlus als Plattform und verbindendes Element an Bedeutung.
Sie unterstützen aktuell die Geschäftsführung ad Interim. Wie beurteilen Sie diese Übergangslösung?
Kurt Sidler: Die Übergangslösung ist bewusst als Teammodell angelegt. Die erweiterte Geschäftsleitung vereint unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen. Gleichzeitig wird der operative Betrieb sichergestellt. Wichtig ist: Diese Phase wird aktiv genutzt, um Strukturen, Rollen und Abläufe weiterzuentwickeln.
Welche Bedeutung hat dabei der laufende Organisationsentwicklungsprozess?
Kurt Sidler: Er ist zentral. Veränderung geschieht nicht nebenbei. Der Organisationsentwicklungsprozess schafft Raum, um zu reflektieren, was gut funktioniert und wo Anpassungen nötig sind – mit Blick auf die kommende Strategieperiode. Das ist eine grosse Chance für LuzernPlus.
Wenn Sie nach vorne blicken: Was wird für LuzernPlus in den nächsten Jahren besonders wichtig sein?
Kurt Sidler: Klarheit über die eigene Rolle, eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden und die Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen. Das Bevölkerungswachstum wird anhalten. Umso wichtiger ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die langfristig tragen.
Über Kurt Sidler:
Kurt Sidler prägte LuzernPlus während seiner Zeit als Geschäftsführer von 2010 bis 2017 entscheidend. Er baute den Gemeindeverband als zentrale Plattform für die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit der damals 25 Verbandsgemeinden in der Agglomeration Luzern auf und positionierte ihn strategisch in den Bereichen Raum- und Siedlungsentwicklung, Mobilität und regionale Koordination. Unter seiner Leitung entstanden Initiativen wie die Gebietsmanagements und Konzepte zur gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit. Per Ende 2017 trat er in Frühpension als Geschäftsführer zurück.
Heute bringt Kurt Sidler seine langjährige Erfahrung erneut bei LuzernPlus ein: Im Rahmen einer Übergangslösung unterstützt er den Verband punktuell und sorgt für Kontinuität, Stabilität und institutionelles Wissen, während die Organisation weiterentwickelt und die Geschäftsführung neu aufgestellt wird.